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Ratgeber · Wirkstoffe

CBD: Wirkung, Anwendung und Studienlage zu Cannabidiol

CBD verständlich eingeordnet: Wirkmechanismen, Darreichungsformen, Studienlage, Nebenwirkungen und rechtlicher Status von Cannabidiol in Deutschland.

Aktualisiert
2026-04-28
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15 Minuten
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CBD: Wirkung, Anwendung und Studienlage zu Cannabidiol

CBD ist eines der am intensivsten beforschten Cannabinoide aus der Hanfpflanze und steht im Zentrum vieler Patient:innen-Fragen: Wie wirkt Cannabidiol, was unterscheidet es von THC, welche Darreichungsformen gibt es, und wann ist eine ärztliche Verschreibung sinnvoll? Dieser Leitfaden ordnet die Grundlagen ein, von der Chemie über die Wirkmechanismen bis zur Studienlage und den rechtlichen Rahmen — als Teil unseres Wirkstoffe-Überblicks, der Cannabinoid-Grundlagen und im Kontext von medizinischem Cannabis.

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Was ist CBD? Cannabidiol einfach erklärt

CBD steht für Cannabidiol. Es ist einer der Hauptwirkstoffe der Hanfpflanze und der Stoff, der neben THC die meiste Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen hat. Anders als THC wirkt CBD nicht psychotrop, macht also nicht „high". Pharmakologisch ist CBD trotzdem aktiv, in Deutschland gilt es unabhängig von der Konzentration als verschreibungspflichtiger Arzneistoff.

Definition und Herkunft aus der Hanfpflanze

CBD ist ein Phytocannabinoid, also ein Wirkstoff, der von Pflanzen der Gattung Cannabis gebildet wird. Gewonnen wird es aus dem echten Hanf (Cannabis sativa L.), einer Pflanze aus der Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). In der Botanik herrscht heute weitgehender Konsens, Cannabis sativa L. als eine Art mit mehreren Unterarten zu betrachten und nicht in mehrere getrennte Arten aufzuspalten.

Produziert wird CBD vor allem in den Trichomen, winzigen Drüsenhaaren auf den weiblichen Blüten und den blütennahen Blättern. Männliche Pflanzen und die übrigen Pflanzenteile enthalten kaum oder gar kein CBD. Je nach Züchtung schwankt der Gehalt stark: Es gibt Sorten mit hohem THC- und niedrigem CBD-Gehalt, Sorten mit ausgeglichenem Verhältnis und Sorten, die gezielt auf einen hohen CBD- bei niedrigem THC-Gehalt selektiert wurden. Quellen: Small und Cronquist 1976; McPartland 2018; Pertwee 2008

CBD im Cannabis-Wirkstoffspektrum

Die Hanfpflanze enthält über 400 Inhaltsstoffe, darunter mehr als 150 Cannabinoide. Therapeutisch am besten untersucht sind davon zwei: THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD. Während THC der wichtigste psychotrope Wirkstoff ist, gilt CBD als das mengenmäßig häufigste nicht psychotrope Cannabinoid.

Daneben gibt es weitere Cannabinoide, etwa Cannabigerol (CBG) als Vorläufersubstanz von THC und CBD oder Cannabidivarin (CBDV), einen Verwandten des CBD. Ihre Bedeutung für den menschlichen Körper ist bislang nur teilweise verstanden. Hinzu kommen Terpene und Flavonoide. Im Zusammenspiel dieser Begleitstoffe wird ein sogenannter Entourage-Effekt diskutiert: die Idee, dass Begleitsubstanzen die Wirkung der Hauptcannabinoide modulieren. Wie groß dieser Effekt klinisch ist, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Quellen: Pertwee 2008; Ujváry und Hanuš 2016; Russo 2011; Mechoulam, Fride et al. 1998

Kurzer historischer Abriss: Entdeckung und Forschung

CBD wurde 1963 erstmals chemisch beschrieben, ein Jahr vor THC. Beide Strukturaufklärungen gehen auf den israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam und sein Team am Weizmann-Institut zurück. Diese Arbeiten gelten als Startpunkt der modernen Cannabinoidforschung.

Ein zweiter Meilenstein folgte Anfang der 1990er Jahre mit der Entdeckung des Endocannabinoid-Systems und seiner beiden Hauptrezeptoren CB1 und CB2, also jenes körpereigenen Systems, an dem Cannabinoide andocken. Seitdem zählt Hanf zu den weltweit am intensivsten beforschten Arzneipflanzen. Viele klinische Wirkungen von CBD sind bisher trotzdem nur teilweise geklärt; hochwertige randomisierte Studien bleiben in einigen Anwendungsbereichen rar. Quellen: Gaoni und Mechoulam 1964; Mechoulam 1963 (zitiert in Fankhauser und Eigenmann 2020)

Chemische Struktur und Unterschied zwischen CBD und THC

CBD und THC sind die beiden bekanntesten Cannabinoide aus der Hanfpflanze. Beide stammen aus derselben Pflanze, beide werden über denselben biochemischen Weg gebildet, und doch wirken sie im Körper sehr unterschiedlich. Der Unterschied liegt in einem Detail der Molekülstruktur, das pharmakologisch alles verändert.

Molekülaufbau von Cannabidiol

Cannabidiol gehört zur Gruppe der Phytocannabinoide. Das chemische Grundgerüst von CBD und THC ähnelt sich stark: Beide besitzen eine trizyklische Benzopyran-Struktur, also ein Gerüst aus mehreren miteinander verbundenen Ringen mit Doppelbindungen. Nach IUPAC-Nomenklatur wird CBD als 2-(1R,6R)-3-Methyl-6-prop-1-en-2-ylcyclohex-2-en-1-yl-5-pentylbenzen-1,3-diol bezeichnet. Klingt sperrig, beschreibt aber präzise die räumliche Anordnung der Atome.

In reiner Form ist CBD ein weißes bis fast weißes, kristallines Pulver. Es besitzt zwei Stereozentren, also Stellen im Molekül, an denen die räumliche Ausrichtung festgelegt ist. Als Arzneistoff wird ausschließlich das (–)-trans-Cannabidiol verwendet, das 1R,6R-Enantiomer. Quellen: Götz 2018; Razdan 2008

Warum CBD nicht berauscht – Abgrenzung zu THC

Macht CBD high? Die Antwort der wissenschaftlichen Literatur ist klar: nein. CBD gilt als das mengenmäßig am häufigsten vorkommende nicht psychotrope Cannabinoid. Anders als THC löst es keine berauschende Wirkung aus.

Der Grund liegt in der Pharmakologie. THC ist ein Partialagonist der Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2, bindet also direkt an diese Andockstellen, vor allem an den CB1-Rezeptor im zentralen Nervensystem. Genau diese Aktivierung ist für das „High" verantwortlich. CBD bindet hingegen nur in sehr geringem Maß an CB1 oder CB2. Stattdessen interagiert es mit anderen Zielstrukturen wie GPCR-, TRP-, PPAR- und Serotonin-Rezeptoren.

Auch rechtlich spiegelt sich der Unterschied wider: CBD unterliegt in Deutschland zwar als Arzneistoff der Rezeptpflicht, fällt aber, anders als THC, nicht unter das Betäubungsmittelgesetz. Reines CBD wird wegen der fehlenden suchterzeugenden Wirkung weder vom BfArM noch europaweit als Betäubungsmittel eingestuft. Quellen: Pertwee 2008; Vitale, Iannotti et al. 2021; Rohleder und Müller 2021

Wichtig: Die früher verbreitete Annahme, CBD könne unerwünschte Effekte von THC pauschal „neutralisieren", ist nach aktuellem Erkenntnisstand so nicht haltbar. Studien zeigen ein komplexes, teils widersprüchliches Zusammenspiel der beiden Cannabinoide. Quellen: Solowij, Broyd et al. 2019; Arkell, Lintzeris et al. 2019; Nutt, Phillips et al. 2021

Isomere, Decarboxylierung und CBDA

In der lebenden Cannabispflanze liegt CBD nicht als CBD vor, sondern in seiner sauren Vorstufe, der Cannabidiolsäure (CBDA). Diese carboxylierte Form entsteht im pflanzlichen Stoffwechsel aus Cannabigerolsäure (CBGA) durch das Enzym Cannabidiolsäuresynthase (CBDAS). CBDA und ihr THC-Pendant THCA sind keine Agonisten der Cannabinoid-Rezeptoren und haben dementsprechend auch keine psychotrope Wirkung.

Erst durch Decarboxylierung – das Abspalten einer COOH-Gruppe als CO₂ – entsteht aus CBDA das wirksame CBD. Dieser Schritt findet bereits langsam in der lebenden Pflanze und während der Lagerung statt, beschleunigt sich aber deutlich bei Hitze. In der pharmazeutischen Herstellung erfolgt die Decarboxylierung üblicherweise bei 100–150 °C über 30–120 Minuten. Quellen: McPartland, MacDonald et al. 2017; Gülck und Møller 2020

Eine Besonderheit: CBD und THC haben dieselbe Summenformel und sind chemisch eng verwandt. CBD lässt sich säurekatalysiert in Δ⁹-THC umwandeln; diese Reaktion ist sogar Grundlage einer wichtigen Synthese-Route für Dronabinol. Auch während der Lagerung wurde die Bildung geringer Mengen Δ⁹-THC in CBD-Produkten beobachtet, wobei der genaue Mechanismus bisher nicht abschließend geklärt ist. Quellen: Lachenmeier und Walch 2020; Götz 2018

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Wie wirkt CBD im Körper?

CBD wirkt nicht über einen einzelnen Schalter, sondern über ein Netzwerk verschiedener Rezeptoren und Botenstoff-Systeme. Das macht das pharmakologische Bild komplex und erklärt, warum die Forschung manche Effekte heute noch nicht vollständig einordnen kann.

Das Endocannabinoid-System verständlich erklärt

Der menschliche Körper besitzt ein eigenes Cannabinoid-System, das Endocannabinoid-System (ECS). Es besteht aus zwei Haupt-Rezeptoren (CB1 und CB2), körpereigenen Botenstoffen wie Anandamid (AEA) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG) sowie Enzymen, die diese Botenstoffe bei Bedarf bilden und wieder abbauen. Vereinfacht arbeitet das ECS wie ein Regelsystem für das innere Gleichgewicht: Es hilft, Stimmung, Schmerzwahrnehmung, Stressreaktion, Appetit und Immunantwort in Balance zu halten. CB1 ist dabei vor allem dem Nervensystem zugeordnet, CB2 überwiegend dem Immunsystem. Quellen: Kendall und Yudowski 2016; Zou und Kumar 2018; Rahaman und Ganguly 2021

CB1- und CB2-Rezeptoren: Wo CBD ansetzt

Anders als THC bindet CBD nur sehr schwach an die klassischen Bindungsstellen von CB1 und CB2. In niedriger Konzentration kann es beide Rezeptoren als sogenannter inverser Agonist hemmen. Für die entzündungshemmende Wirkung von CBD, die eine Beteiligung von CB2 voraussetzt, wird ebenfalls ein inverser Agonismus postuliert. Klar ist: CBD ist nicht psychotrop und löst keinen Rausch aus, wie er für die starke CB1-Aktivierung durch THC typisch ist. Quellen: Pertwee 2008; Vitale, Iannotti et al. 2021

Indirekte Effekte: Serotonin, TRPV1 und Adenosin

Ein großer Teil der CBD-Effekte läuft über andere Bindungsstellen. CBD aktiviert unter anderem den Serotonin-Rezeptor 5-HT1A, den Dopamin-D2-Rezeptor sowie TRPV-Ionenkanäle, die an der Schmerzweiterleitung beteiligt sind. Gleichzeitig hemmt es 5-HT3A- und GPR55-Rezeptoren sowie T-Typ-Calcium-Kanäle. Indirekt erhöht CBD den körpereigenen Endocannabinoid-Spiegel, indem es deren Abbau bremst. Wie sich diese Mechanismen zu konkreten klinischen Effekten zusammensetzen, ist Gegenstand aktiver Forschung. Quellen: Vitale, Iannotti et al. 2021; Baggelaar, Maccarrone et al. 2018

Darreichungsformen von CBD: Öl, Blüten, Kapseln und mehr

Cannabis und Cannabinoide werden in einer Vielfalt an Darreichungsformen angewendet, die sich in Anwendung und Pharmakokinetik teils deutlich unterscheiden. Wirkeintritt, Bioverfügbarkeit und Steuerbarkeit hängen stark davon ab, ob CBD über die Mundschleimhaut, den Magen-Darm-Trakt, die Lunge oder die Haut aufgenommen wird. Welche Form geeignet ist, prüft die behandelnde Ärzt:in individuell.

CBD-Öl und Tropfen (sublinguale Anwendung)

Ölige Cannabiszubereitungen sind in Deutschland weit verbreitet. Lipophile Vehikel wie Öl extrahieren Cannabinoide vollständiger als wässrige Auszüge und werden auch besser resorbiert. Tropfen lassen sich flexibel an den jeweiligen Bedarf anpassen, zeigen aber ausgeprägte interindividuelle Unterschiede in den Plasmaspiegeln. Die rein sublinguale Aufnahme ist nur ein Teilaspekt: Studien fanden zwischen sublingualer und peroraler Gabe pharmakokinetisch nur geringe Unterschiede. Quellen: Pellesi, Licata et al. 2018; Karschner, Darwin et al. 2011; Klumpers, Beumer et al. 2012

CBD-Blüten und Inhalation

Cannabisblüten werden für die medizinische Anwendung nicht geraucht, sondern in einem zertifizierten Vaporisator bei 180–210 °C verdampft und das Aerosol inhaliert. So entstehen weniger Verbrennungsschadstoffe als beim Rauchen. Der Wirkeintritt erfolgt innerhalb von ein bis zwei Minuten, was die Steuerung der Wirkung erleichtert. Die Bioverfügbarkeit hängt allerdings stark von Gerät, Temperaturführung und Inhalationstechnik ab. Quellen: Abrams, Vizoso et al. 2007; Brunetti, Pichini et al. 2020

Kapseln, Tabletten und orale Fertigarzneimittel

Bei oraler Aufnahme durchläuft CBD den First-Pass-Metabolismus in der Leber. Für oral gegebenes THC liegt die Bioverfügbarkeit dadurch nur bei etwa 4–20 % im Vergleich zur intravenösen Gabe; CBD verhält sich ähnlich. Eine fettreiche Mahlzeit kann die Aufnahme deutlich erhöhen. Kapseln und Tabletten sind standardisiert dosiert und einfach in der Anwendung. Die individuelle Dosisanpassung ist enger begrenzt, und die Plasmaspiegel schwanken von Person zu Person stark. Quellen: Huestis 2007; Oh, Parikh et al. 2017

Topische Anwendung: Cremes und Salben

Bei topischen Zubereitungen wird der First-Pass-Effekt umgangen. CBD und CBN permeieren laut In-vitro-Daten etwa zehnmal besser durch die Haut als THC. Solange die Haut intakt ist, bleibt die systemische Aufnahme aus topischen Formulierungen jedoch gering, sodass eher lokale Effekte im Vordergrund stehen. Die klinische Datenlage ist begrenzt: Eine kleine offene Studie an 20 Personen zeigte nach dreimonatiger Anwendung eines pflanzlichen CBD-Präparats Verbesserungen bei verschiedenen Hautläsionen. Quellen: Stinchcomb, Valiveti et al. 2004; Palmieri, Laurino et al. 2019

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Rezeptfrei oder rezeptpflichtig? Rechtlicher Status von CBD in Deutschland

Der rechtliche Status von CBD ist zweigeteilt, und genau das sorgt bei vielen Patient:innen für Verunsicherung. Es gibt frei verkäufliche CBD-Produkte in Drogerien und im Internet und es gibt CBD als verschreibungspflichtigen Arzneistoff. Beides ist nicht dasselbe.

CBD als Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetikum

CBD-Öle, -Kapseln und -Lebensmittel werden oft als Nahrungsergänzungsmittel beworben. Rechtlich ist das umstritten: Cannabis-Extrakte und isoliertes CBD gelten in der EU als „neuartige Lebensmittel" (Novel Food) und benötigen eine Zulassung, die bisher nicht vorliegt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat klargestellt, dass ihm „keine Fallgestaltung bekannt ist, wonach der Verkauf von CBD-Öl erlaubt wäre". Das Verwaltungsgericht Köln hat 2022 zudem CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel auch in niedriger Dosierung als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Bei Kosmetika ist nur synthetisches, reines CBD unproblematisch; pflanzliche Extrakte unterliegen weiteren Einschränkungen. Quellen: Lachenmeier und Walch 2020b; BVL 2021; VG Köln Az. 7K9St/20 (2022)

CBD als Arzneimittel und verschreibungspflichtige Präparate

Aus arzneilicher Sicht ist die Lage eindeutig: CBD-Zubereitungen sind unabhängig von ihrer Konzentration verschreibungspflichtige Arzneimittel. Sie unterliegen aber, anders als THC bzw. Dronabinol, nicht dem Betäubungsmittelrecht. Du brauchst also kein BtM-Rezept, sondern ein normales Rezept. In Deutschland gibt es ein zugelassenes Fertigarzneimittel mit hochreinem CBD; daneben werden in Apotheken individuelle Rezepturen, etwa ölige CBD-Lösungen nach NRF-Vorschrift, hergestellt. Quellen: DAC/NRF; AMVV § 2 Abs. 1 Nr. 4a

Wann eine ärztliche Verschreibung sinnvoll ist

Eine ärztliche Verschreibung kommt vor allem dann infrage, wenn frei verkäufliche Produkte rechtlich fragwürdig oder qualitativ unzureichend sind und du eine standardisierte, geprüfte Apothekenqualität möchtest. Ob CBD im Einzelfall medizinisch geeignet ist, prüft eine approbierte Ärzt:in individuell. Bei HealGreen erfolgt diese Prüfung im Rahmen einer telemedizinischen Fernbehandlung auf Basis deines digitalen Fragebogens; bei Rückfragen meldet sich die ärztliche Seite schriftlich. Die Entscheidung über Wirkstoff, Darreichungsform und Dosis trifft ausschließlich die Ärzt:in.

Studienlage zu CBD: Was die Forschung zeigt

Bei CBD lohnt sich eine klare Trennung: Es gibt einen Bereich, in dem die Wirksamkeit in kontrollierten Studien belegt ist. Es gibt einen Bereich, in dem Hinweise existieren, aber große, methodisch saubere Studien fehlen. Und es gibt vieles, was schlicht offen ist.

Belegte Anwendung: Epilepsie und seltene Syndrome

Am besten untersucht ist CBD bei bestimmten therapieresistenten Epilepsieformen im Kindesalter. Mehrere klinische Studien haben eine krampfsenkende Wirkung gezeigt; in den Zulassungsstudien konnten motorische Krämpfe bei schwerstkranken Kindern im Schnitt um rund 36,5 % reduziert werden. Auf dieser Basis ist ein hochreines, pflanzlich gewonnenes CBD-Fertigarzneimittel als Begleitbehandlung bei Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom (in Verbindung mit Clobazam) ab zwei Jahren zugelassen. Für die seltene tuberöse Sklerose (TSC) hat die US-Behörde FDA einen Orphan-Drug-Status erteilt. Außerhalb dieser eng umrissenen Indikationen liegen für erwachsene Epilepsie-Patient:innen bislang kaum Erfahrungen vor. Quellen: Devinsky et al. 2016; Devinsky et al. 2017; Devinsky, Patel et al. 2018; Tzadok, Uliel-Siboni et al. 2016; Fraguas-Sánchez und Torres-Suárez 2018

Untersuchte Indikationen: Angst, Schlaf, chronische Schmerzen

Bei der sozialen Angststörung sind die Ergebnisse kleiner kontrollierter Studien vielversprechend: Einmalgaben von 300 bis 600 mg CBD reduzierten die Angstsymptome im Simulationstest für öffentliches Sprechen signifikant. Eine vierwöchige Behandlung mit 300 mg/Tag verbesserte die Symptome bei jungen Erwachsenen gegenüber Placebo. Für andere primäre Angststörungen ist die Datenlage dünner; eine abschließende Bewertung ist derzeit nicht möglich. Quellen: Bergamaschi, Queiroz et al. 2011; Crippa, Derenusson et al. 2011; Linares, Zuardi et al. 2019; Masataka 2019; Blessing, Steenkamp et al. 2015

Bei chronischen Schmerzen stützt sich die Evidenz vor allem auf randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt rund 2.500 Patient:innen, überwiegend zu THC- bzw. THC/CBD-Kombinationen. Vorteile zeigen sich besonders bei neuropathischen Schmerzen und schmerzhafter Spastik bei Multipler Sklerose, weniger bei nozizeptiven Schmerzen. CBD allein wirkt hier vor allem über entzündungsmodulierende und stressreduzierende Effekte; Cannabinoide werden in Leitlinien zu neuropathischen Schmerzen meist als Mittel der dritten Wahl genannt. Quellen: Whiting, Wolff et al. 2015; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017; Karst, Wippermann et al. 2010; Mücke, Phillips et al. 2018; Nutt, Phillips et al. 2021

Beim Schlaf gibt es Hinweise auf eine Verbesserung, meist als Begleiteffekt im Kontext von Schmerz, Angst oder posttraumatischer Belastung. Belastbare, große randomisierte Studien speziell zu CBD bei Insomnie fehlen. Quellen: Whiting, Wolff et al. 2015; Shannon 2016; Shannon 2019

Grenzen der aktuellen Evidenz

So vielversprechend einzelne Befunde sind: Die Studienlage hat klare Grenzen. Viele Untersuchungen sind klein, kurz, monozentrisch oder unkontrolliert. Dosierungen, Darreichungsformen und Begleitmedikationen variieren stark, was Vergleiche erschwert. Eine Übersicht von über 2.100 Publikationen kommt zu dem Schluss, dass für die meisten Indikationen jenseits von Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie, Spastik bei MS und chronischen Schmerzen aktuell keine belastbaren Aussagen möglich sind. Auch Langzeitsicherheit, Wechselwirkungen und das Verhältnis zwischen CBD und THC sind noch nicht abschließend geklärt. Entscheidungen zu einer Therapie gehören deshalb in die Hand der behandelnden Ärzt:in, immer auf Basis der individuellen Situation. Quellen: Hoch, Schneider et al. 2017; Whiting, Wolff et al. 2015; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017

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Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von CBD

CBD gilt in vielen Studien als gut verträglich, „gut verträglich" heißt aber nicht „ohne Risiken". Gerade bei höheren Dosierungen und bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente gibt es Punkte, die du kennen solltest. Die folgenden Informationen ersetzen kein ärztliches Gespräch, sondern sollen es vorbereiten.

Häufige Nebenwirkungen

In klinischen Studien wurde CBD in Dosen von 300 mg bis 1.500 mg täglich von vielen Patient:innen gut vertragen. Die häufigsten dosisabhängigen unerwünschten Wirkungen sind Müdigkeit und Sedierung, psychisches Unwohlsein, Schwindel, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall sowie eine Erhöhung der Leber-Transaminasen. Bei psychiatrisch vorbelasteten Personen wurde eine Tendenz zu verstärkter Ängstlichkeit beschrieben. Aussagekräftige placebokontrollierte Langzeitstudien zur Sicherheit fehlen nach wie vor. Quellen: Bergamaschi et al. 2011; Iffland und Grotenhermen 2017; Taylor et al. 2018; Franco und Perucca 2019; Huestis et al. 2019

Die deutsche Begleiterhebung des BfArM bestätigt dieses Bild für CBD-haltige Cannabisarzneimittel im Versorgungsalltag: Am häufigsten wurden Müdigkeit (rund 15 %), Schwindel (rund 9 %), Mundtrockenheit (rund 7 %) und Schläfrigkeit (rund 6 %) gemeldet. Ein deutlich niedrigeres Nebenwirkungsprofil als bei reinen THC-Präparaten zeigte sich in dieser Auswertung nicht; die Annahme, CBD entschärfe THC-Nebenwirkungen pauschal, ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht haltbar. Quellen: BfArM Begleiterhebung 2022

Wechselwirkungen mit Medikamenten (Cytochrom-P450-System)

CBD wird in der Leber vor allem über die Enzyme CYP2C19 und CYP3A4 abgebaut und greift selbst in dieses System ein. Pharmakologisch ist CBD damit nicht „harmlos": Es ist ein relevanter Hemmer von CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A4. Werden andere Arzneistoffe über diese Enzyme verstoffwechselt, können ihre Plasmaspiegel steigen. Quellen: Stout und Cimino 2014; Ujváry und Hanuš 2016; Lucas et al. 2018; Franco und Perucca 2019; Vitale et al. 2021

Konkret dokumentiert ist das beim Antiepileptikum Clobazam: Unter CBD stieg der aktive Metabolit Norclobazam um das 3- bis 5-Fache. Auch für andere CYP2C9/19-Substrate wie Warfarin (Blutverdünner), Diclofenac (Schmerzmittel) oder Brivaracetam ist mit Spiegelanstiegen zu rechnen. Besonders eindrücklich ist ein Fallbericht zu Tacrolimus: Unter hochdosiertem CBD akkumulierte das Immunsuppressivum so stark, dass die Dosis um 90 % reduziert werden musste. Quellen: Leino et al. 2019; Franco und Perucca 2019

Umgekehrt verändern starke CYP3A4-Induktoren (z. B. Rifampicin) die CBD-Spiegel um 50–60 % nach unten, starke CYP3A4-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol) um 80–90 % nach oben. Quellen: Stott et al. 2013; Stout und Cimino 2014; Bouquié et al. 2018

Die Konsequenz für die Praxis: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, insbesondere Antiepileptika, Gerinnungshemmer, Immunsuppressiva oder Psychopharmaka, sollte CBD nie ohne ärztliche Abklärung kombinieren.

Wer sollte vorsichtig sein? Schwangerschaft, Leber, Begleiterkrankungen

Für das verschreibungspflichtige CBD-Arzneimittel sind als Kontraindikationen Überempfindlichkeit gegen CBD sowie eine Erhöhung der Leber-Transaminasen auf mehr als das Dreifache bzw. der Bilirubin-Werte auf mehr als das Zweifache der oberen Normgrenze definiert. Besondere Vorsicht gilt bei hepatozellulärer Schädigung, ausgeprägter Sedierung, erhöhter Anfallshäufigkeit, Suizidgedanken und vermindertem Körpergewicht. In den klinischen Studien traten teils schwere Nebenwirkungen wie erhöhte Leberwerte, Somnolenz oder Fieber auf, allerdings bei schwer vorerkrankten Kindern unter Polymedikation. Quellen: Devinsky et al. 2017; Devinsky et al. 2018

Für Schwangerschaft und Stillzeit ist die Datenlage zu CBD bei Erwachsenen unzureichend, um Sicherheit zu belegen; bei THC-haltigen Cannabisarzneimitteln gilt die Schwangerschaft als klare Kontraindikation, weil das Endocannabinoid-System die Hirnreifung beeinflusst. Auch bei stillenden Müttern und Personen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird zur strengen Indikationsstellung geraten. Quellen: Beaulieu et al. 2016; Grotenhermen und Häußermann 2017; Nashed et al. 2021

Ob CBD für dich infrage kommt, hängt von deiner Vorgeschichte, deiner Medikation und deinen Leberwerten ab. Diese Abwägung trifft die behandelnde Ärzt:in, nie der Beipackzettel allein und nie ein Online-Shop.

Quellen (71)

FAQ

Häufige Fragen zu CBD

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Weiterführend

Weitere Infos

Medizinischer Haftungsausschluss

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die zitierten Studien beschreiben den aktuellen Stand der Forschung, nicht das individuelle Ansprechen einer bestimmten Patient:in. Eine cannabisbasierte Therapie kommt nur nach individueller ärztlicher Prüfung und Verordnung in Betracht. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Ärzt:in oder Apotheker:in.