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Ratgeber · Wirkstoffe

CBN (Cannabinol): Wirkung, Entstehung und Studienlage im Überblick

Cannabinol verständlich eingeordnet: Wie CBN als Abbauprodukt aus THC entsteht, wie es im Körper wirkt und was die Studienlage zu Schlaf und Sedierung sagt.

Aktualisiert
2026-04-28
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8 Minuten
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CBN (Cannabinol): Wirkung, Entstehung und Studienlage im Überblick

CBN ist das vielleicht missverstandenste Cannabinoid: In Foren wird es als „Schlafwirkstoff" gefeiert, in der pharmakologischen Literatur eher nüchtern als Abbauprodukt von THC eingeordnet. Was stimmt? Dieser Ratgeber sortiert die Fakten — von der Chemie über die Wirkung bis zur Studienlage und zum rechtlichen Rahmen in Deutschland — als Teil unseres Wirkstoffe-Überblicks, neben CBD und im Kontext der Cannabinoid-Grundlagen.

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Was ist CBN (Cannabinol)?

CBN steht für Cannabinol und gehört zur Familie der Cannabinoide, also jener Wirkstoffe, die in der Cannabispflanze gebildet werden. Cannabis enthält über 150 dieser Verbindungen. Am besten erforscht sind THC und CBD; CBN zählt zu den „weiteren Cannabinoiden", deren Bedeutung für den menschlichen Körper bislang nur teilweise verstanden ist.

Eine Besonderheit liegt in der Entstehung: In der lebenden Pflanze bildet sich Cannabinol nur in geringem Umfang. Den Großteil verdankt CBN dem Abbau von THC unter Einfluss von Licht und Sauerstoff. Es ist damit eher ein Alterungs- als ein Hauptprodukt der Pflanze, im Gegensatz zu THC selbst nicht mehr oxidationsempfindlich, sondern chemisch sehr stabil.

Chemische Einordnung

CBN ist eine terpenoide phenolische Verbindung mit dem typischen trizyklischen Benzopyran-Grundgerüst der Cannabinoide. Der entscheidende strukturelle Unterschied zu THC und CBD: Bei CBN ist einer der Ringe vollständig aromatisiert. Diese Aromatisierung entsteht, wenn aus Δ⁹-THC durch Oxidation schrittweise Wasserstoffatome abgespalten werden, bis ein zusätzlicher aromatischer Ring entsteht. Genau das macht Cannabinol chemisch träger und stabiler als seine Vorläufer.

In der Pflanze liegt CBN, wie die anderen Cannabinoide, zunächst als Säureform vor (Cannabinolsäure, CBNA). Erst durch Trocknung, Lagerung oder Erhitzung entsteht durch Decarboxylierung das neutrale, pharmakologisch wirksame CBN.

CBN im Vergleich zu THC und CBD

Im direkten Vergleich der drei Cannabinoide ergibt sich folgendes Bild:

  • THC (Tetrahydrocannabinol) ist in den meisten Kultivaren das mengenmäßig größte Cannabinoid und der wichtigste psychotrope Inhaltsstoff. Pharmakologisch wirkt es als Partialagonist an den körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2.
  • CBD (Cannabidiol) ist das mengenmäßig häufigste nicht-psychotrope Cannabinoid. Es bindet nur schwach an CB1 und CB2 und wirkt vor allem über andere Zielstrukturen, darunter Serotonin- und TRP-Rezeptoren.
  • CBN bindet ebenfalls an CB1 und CB2, jedoch deutlich schwächer als Δ⁸- oder Δ⁹-THC, mit einer leichten Präferenz für CB2. In Laborversuchen erreicht CBN als CB1-Agonist nur eine geringere Wirkstärke als THC. Eine ältere pharmakokinetische Übersicht beziffert die Aktivität von CBN auf etwa 10 % der Aktivität von THC. Quellen: Pertwee 1999; Rhee et al. 1997; Huestis 2005; Ujváry und Hanuš 2016

Mengenmäßig spielt Cannabinol in frischen, gut gelagerten Cannabisblüten eine untergeordnete Rolle. In gealterten oder unsachgemäß gelagerten Produkten kann der Anteil dagegen steigen — ein Hinweis darauf, dass das enthaltene THC oxidativ abgebaut wurde.

Wie entsteht CBN? Der Abbau aus THC

Die Pflanze produziert Cannabinol nicht in nennenswerten Mengen direkt. Es entsteht überwiegend als Abbauprodukt von THC: Aus Δ⁹-THC bzw. seiner Säurevorstufe Δ⁹-THCA wird durch Oxidation schrittweise CBN gebildet. Chemisch läuft das über eine oxidative Deprotonierung am Kohlenstoff in Position 10a, gefolgt von einer weiteren Deprotonierung an Position 6a. Am Ende dieser Aromatisierung steht das stabile, nicht mehr oxidationsempfindliche CBN. Quellen: Hanuš, Meyer et al. 2016; Flemming, Muntendam et al. 2007; Hazekamp, Fischedick et al. 2010

Oxidation und Lagerung

Der CBN-Gehalt ist deshalb ein indirekter Qualitätsindikator für Cannabisblüten: Steigt CBN, ist parallel THC abgebaut worden. Das Deutsche Arzneibuch (DAB) begrenzt den CBN-Anteil in Cannabisblüten auf höchstens 1,0 %. Um den Abbau zu bremsen, schreibt die DAB-Monographie eine dicht verschlossene, lichtgeschützte Lagerung unter 25 °C vor. In der industriellen Verarbeitung wird teils unter Inertgas wie Argon gearbeitet, um Sauerstoff fernzuhalten. Quellen: Flemming, Muntendam et al. 2007; Hazekamp, Fischedick et al. 2010; Fairbairn, Liebmann et al. 1976

Einfluss von Licht, Wärme und Zeit

Für den THC-Abbau gelten Licht und Sauerstoff als die entscheidenden Faktoren, weniger die Temperatur an sich. Studien zeigen aber konsistent: Die Abnahme von THC korreliert mit der Lagerungszeit. In einer Untersuchung sank der THC-Gehalt zerkleinerter Blüten bei Raumtemperatur innerhalb von rund 100 Tagen um über 10 %. Intakte Trichome (die kleinen Harzdrüsen auf der Blüte) schützen die Cannabinoide; werden sie durch Zerkleinerung verletzt, beschleunigt sich der Abbau. CBN selbst gilt anschließend als sehr stabil und wird nicht weiter oxidativ abgebaut. Quellen: Fairbairn, Liebmann et al. 1976; Lindholst 2010; Zamengo, Bettin et al. 2019; Hanuš, Meyer et al. 2016

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Wirkung von CBN im Körper

CBN ist ein Phytocannabinoid und interagiert wie THC und CBD mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS). Das ECS besteht aus den Rezeptoren CB1 und CB2, körpereigenen Botenstoffen wie Anandamid und 2-AG sowie den Enzymen, die diese auf- und abbauen. Vereinfacht arbeitet es wie ein Filter- und Entspannungssystem für Nervensignale und ist an der Regulation von Stimmung, Schmerz, Schlaf und Appetit beteiligt. Quellen: Di Marzo und Piscitelli 2015; Zou und Kumar 2018

Bindung an CB1- und CB2-Rezeptoren

CB1-Rezeptoren sitzen vor allem im Gehirn und peripheren Nervensystem und vermitteln den Großteil der psychotropen Effekte von Cannabinoiden. CB2-Rezeptoren befinden sich überwiegend auf Immunzellen und sind an entzündungshemmenden und immunmodulierenden Prozessen beteiligt. Detaillierte Bindungsdaten zu CBN tauchen in den hier ausgewerteten Quellen kaum auf. In der Fachliteratur gilt für die Neben-Cannabinoide jenseits von THC und CBD generell, dass ihre klinische Bedeutung „weitgehend unklar" ist. Quellen: Pertwee 2008; Hashiesh, Sharma et al. 2021

Sedierende Effekte und Schlaf

Cannabinol wird in populären Quellen häufig mit einer schlaffördernden Wirkung in Verbindung gebracht. Belastbare klinische Daten speziell zu CBN beim Menschen finden sich in der ausgewerteten Fachliteratur dagegen nicht. Untersucht ist, dass Δ⁹-THC schlafanstoßende Effekte zeigt, während CBD je nach Studie eher wachfördernd oder schlafverbessernd wirkt. Quellen: Freemon 1982; Nicholson et al. 2004; Murillo-Rodríguez et al. 2006

Weitere mögliche Wirkungen

Eine Aktivierung von CB1 ist mit Appetitsteigerung verknüpft, eine Stimulation von CB2 wirkt überwiegend anti-inflammatorisch. Ob und in welchem Ausmaß CBN diese Effekte selbst auslöst, ist nach aktuellem Stand der ausgewerteten Literatur nicht abschließend geklärt. Quellen: Silvestri und Di Marzo 2013; Mechoulam und Parker 2013

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Wo findet man CBN-reiche Cannabis-Produkte?

Da Cannabinol nicht in der frischen Pflanze, sondern durch Abbau von THC entsteht, gibt es keine eigene „CBN-Sorte". Der Gehalt steigt vor allem mit der Lagerzeit und mit der Belastung durch Licht und Sauerstoff.

CBN in Cannabisblüten

In frischen Cannabisblüten liegt CBN typischerweise nur in Spuren vor: gemessen wurde im Mittel rund 0,09 % (± 0,05 %) im getrockneten Pflanzenmaterial. Das DAB begrenzt den CBN-Gehalt in Cannabisblüten auf höchstens 1,0 %, weil ein höherer Wert auf einen unerwünschten THC-Abbau durch unsachgemäße Verarbeitung oder Lagerung hinweist. Quellen: Pacifici, Marchei et al. 2017; Flemming, Muntendam et al. 2007; Hazekamp, Fischedick et al. 2010

CBN in Vollspektrum-Extrakten und Ölen

Vollspektrum-Extrakte (häufig auch „Cannabisöle" genannt) bilden das Inhaltsstoffspektrum der Blüte breiter ab als Reinstoff-Zubereitungen. Sie enthalten neben THC und CBD weitere Begleitcannabinoide, darunter auch CBN. Im DAB-Eingestellten Cannabisextrakt darf CBN höchstens 2,5 % betragen. Quellen: Russo 2011; McPartland und Russo 2001

Studienlage zu CBN

Wer nach belastbarer Evidenz zu Cannabinol sucht, stößt schnell auf eine ernüchternde Realität: Die wissenschaftliche Datenlage zu CBN als eigenständigem Wirkstoff ist im Vergleich zu THC und CBD deutlich dünner. Die im Folgenden zitierten Übersichtsarbeiten beziehen sich überwiegend auf Cannabinoide allgemein, nicht spezifisch auf isoliertes CBN.

Schlaf und Sedierung

Übersichtsarbeiten deuten an, dass Cannabinoide bei Insomnie, etwa im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen oder dem Fibromyalgiesyndrom, wirksam sein können. Eine isolierte schlaffördernde Wirkung von CBN, wie sie in vielen populären Quellen behauptet wird, ist durch klinische Studien bislang nicht eindeutig belegt. Quellen: Whiting et al. 2015; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017

Schmerz und Entzündung

Für chronische Schmerzen liegen Daten aus rund 30 randomisierten kontrollierten Studien mit etwa 2.500 Patient:innen vor. Diese betreffen jedoch fast ausschließlich THC, CBD oder Kombinationen, nicht CBN. Spezifische klinische Wirksamkeitsdaten zu Cannabinol bei Schmerz oder Entzündung fehlen im Quellenmaterial. Quellen: Whiting et al. 2015; Karst, Wippermann et al. 2010

Forschungslücken

Die zurückhaltende Investition in die klinische Entwicklung von Cannabinoiden wird in der Fachliteratur auch als „Cannabis-Dilemma" beschrieben. Für CBN bedeutet das konkret: Es fehlen größere, methodisch hochwertige, placebokontrollierte Studien am Menschen. Quellen: Grotenhermen und Häußermann 2017

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CBN, Recht und ärztliche Verordnung in Deutschland

Rechtlicher Status

Cannabinol kommt in der Cannabispflanze immer zusammen mit anderen Cannabinoiden vor, und genau das prägt seinen rechtlichen Status. Cannabis und seine Zubereitungen sind in Deutschland in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) geführt. Damit sind sie verkehrs- und verschreibungsfähig, aber nur über ein Betäubungsmittelrezept. Seit dem Cannabisgesetz vom 10. März 2017 dürfen Ärzt:innen Cannabisblüten und cannabisbasierte Zubereitungen für Patient:innen verordnen. Reines, isoliertes CBN ist als eigenes Arzneimittel in Deutschland nicht zugelassen; CBN-Gehalte tauchen praktisch immer im Rahmen von Cannabisblüten oder -extrakten auf, die als Rezepturarzneimittel abgegeben werden.

Verordnung über Telemedizin

Die Verschreibung darf laut Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) ausschließlich durch Ärzt:innen erfolgen, nicht durch Zahn- oder Tierärzt:innen, und ohne Bindung an eine bestimmte Facharztgruppe. Bei HealGreen läuft das so: Du füllst einen digitalen Fragebogen aus, eine approbierte deutsche Ärzt:in prüft deine Angaben im Rahmen einer telemedizinischen Fernbehandlung. Bei Rückfragen meldet sich die ärztliche Seite schriftlich. Liegt eine medizinische Eignung vor, wird ein E-Rezept ausgestellt und in einer deutschen Partnerapotheke eingelöst. Die Ärzt:in entscheidet im Einzelfall, ob die Angaben für eine Verordnung ausreichen oder zusätzliche Informationen nötig sind.

Quellen (31)

FAQ

Häufige Fragen zu CBN

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Weiterführend

Weitere Infos

Medizinischer Haftungsausschluss

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die zitierten Studien beschreiben den aktuellen Stand der Forschung, nicht das individuelle Ansprechen einer bestimmten Patient:in. Eine cannabisbasierte Therapie kommt nur nach individueller ärztlicher Prüfung und Verordnung in Betracht. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Ärzt:in oder Apotheker:in.