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Ratgeber · Wirkung

Cannabis-Wirkung: Wie THC und CBD im Körper wirken

Wie wirkt Cannabis im Körper? Dieser Ratgeber ordnet psychische und körperliche Effekte von THC und CBD, Wirkeintritt, Wirkdauer und Nebenwirkungen sachlich ein.

Aktualisiert
2026-04-28
Lesezeit
12 Minuten
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Cannabis-Wirkung: Wie THC und CBD im Körper wirken

Die Cannabis-Wirkung ist komplexer, als viele denken: zwei Hauptwirkstoffe, mehrere Aufnahmewege und eine Bandbreite psychischer wie körperlicher Effekte. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Punkte fachlich ein — von akuten Effekten über Unterschiede zwischen Inhalation und oraler Einnahme bis zu Wirkdauer und Nebenwirkungen. Im Mittelpunkt stehen THC und CBD, die über das körpereigene Endocannabinoid-System wirken — als Teil unseres Wirkungs-Ratgebers und im Kontext von medizinischem Cannabis.

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Wie wirkt Cannabis im Körper?

Cannabis wirkt nicht zufällig. Dein Körper besitzt ein eigenes System, das genau auf diese Pflanzenstoffe reagiert: das Endocannabinoid-System (ECS). Es ist ein körpereigenes Regulations-Netzwerk, das viele Prozesse im Hintergrund mitsteuert: Stimmung und Stressverarbeitung, Schmerz, Schlaf, Appetit und Immunabwehr.

Das Endocannabinoid-System einfach erklärt

Das ECS besteht aus drei Bausteinen: Rezeptoren als Andockstellen, körpereigenen Botenstoffen (sogenannten Endocannabinoiden wie Anandamid und 2-AG) sowie Enzymen, die diese Botenstoffe aufbauen und wieder abbauen. Vereinfacht arbeitet das ECS wie eine neurochemische Bremse: Wird ein Nervennetz zu stark erregt, schüttet die nachgeschaltete Zelle Endocannabinoide aus, die rückwärts an die vorgeschaltete Zelle andocken und deren Aktivität dämpfen. So hält das ECS das Gleichgewicht im Nervensystem aufrecht und gilt als zentrales Regulationssystem für Stimmung, Lernen, Gedächtnis und Schmerzverarbeitung. Quellen: Katona und Freund 2008; Kendall und Yudowski 2016; Zou und Kumar 2018

CB1- und CB2-Rezeptoren

Die wichtigsten Andockstellen heißen CB1 und CB2. Beide sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren mit hemmender Wirkung auf die Zelle.

CB1 ist der dominante Rezeptor im Nervensystem und einer der häufigsten überhaupt im Gehirn. Besonders dicht findet er sich im Hippocampus (Gedächtnis), in den Basalganglien (Bewegung), im limbischen System (Emotionen) und im Kleinhirn (Koordination). Über CB1 wird die Freisetzung von Botenstoffen wie Glutamat, GABA, Serotonin, Dopamin und Noradrenalin moduliert. CB1 vermittelt auch die psychotropen Effekte von THC.

CB2 sitzt vor allem auf Immunzellen, etwa in Milz, Lymphzellen und Mikroglia. Wird CB2 aktiviert, wirkt das entzündungshemmend und kann zur Schmerzlinderung beitragen. Im gesunden Gewebe ist CB2 nur schwach vorhanden, bei Entzündung oder Nervenschädigung wird er hochreguliert. Quellen: Kano, Ohno-Shosaku et al. 2009; Hashiesh, Sharma et al. 2021; Zou und Kumar 2018

THC, CBD und weitere Cannabinoide

Die Cannabispflanze bildet über 150 Cannabinoide. Klinisch am besten untersucht sind zwei davon:

  • THC (Tetrahydrocannabinol) ist der mengenmäßig wichtigste psychotrope Inhaltsstoff. Es bindet als Partialagonist an CB1 und CB2 und vermittelt so die meisten der bekannten Cannabis-Wirkungen.
  • CBD (Cannabidiol) ist nicht psychotrop. Es bindet nur schwach an CB1 und CB2, wirkt aber an weiteren Andockstellen wie 5-HT1A-, 5-HT2A- und Dopamin-2-Rezeptoren sowie an TRPV-Ionenkanälen. Diese breite Angriffsfläche erklärt unter anderem die entzündungshemmenden Effekte.

Daneben gibt es Begleitstoffe wie Cannabigerol (CBG), Cannabidivarin (CBDV) und Terpene, deren Bedeutung für den Menschen noch nicht abschließend geklärt ist. Für sie wird ein sogenannter Entourage-Effekt diskutiert: ein Zusammenspiel der Inhaltsstoffe, das die Hauptwirkung modulieren kann. Quellen: Pertwee 2008; Russo 2011; Ujváry und Hanuš 2016

Akute Cannabis-Wirkung im Überblick

Cannabis wirkt nicht bei allen Menschen gleich, und nicht in jeder Situation gleich stark. Trotzdem lassen sich typische Muster beschreiben, die in der Fachliteratur immer wieder auftauchen.

Typische Effekte nach Konsum

Wird Cannabis inhaliert, ist eine Wirkung schon nach wenigen Minuten spürbar. Das Maximum der subjektiv empfundenen Wirkung wird nach etwa 15 bis 30 Minuten erreicht, der gesamte Rausch klingt meist nach drei bis fünf Stunden ab. Bei oraler Einnahme dauert es länger: Die Wirkdauer reicht von 30 Minuten bis zu drei Stunden, in Einzelfällen bis zu zwölf Stunden, mit einem Plasmaspiegel-Maximum nach rund zwei Stunden. Quellen: Grotenhermen 2003; Bonnet 2016; Maida und Daeninck 2016; Lucas et al. 2018

Im sogenannten einfachen Rausch beschreiben Fachautor:innen häufig eine entspannte, leicht euphorische Grundstimmung mit anschließender Müdigkeit und Appetitsteigerung. Begleitend treten oft kognitive Effekte auf: Konzentrations- und Kurzzeitgedächtnisstörungen, ein verändertes Zeitgefühl und eine psychomotorische Verlangsamung. Auf körperlicher Ebene werden eine leichte Tachykardie und Blutdruckschwankungen beobachtet, die bei herzgesunden Menschen in der Regel keine klinischen Probleme verursachen. Quellen: Bonnet 2016; Thomas et al. 2014; Müller et al. 2006; Hartman und Huestis 2013

Individuelle Unterschiede in der Wirkung

Wie stark Cannabis bei dir wirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen genetische Polymorphismen beim Abbau von THC, individuelle Unterschiede in Dichte und Verteilung der Cannabinoid-Rezeptoren sowie die persönliche Empfindlichkeit gegenüber psychoaktiven Effekten. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Tier- und Humanstudien zeigen, dass THC bei Männern und Frauen unterschiedliche Wirkungen hervorrufen kann. Quellen: Romano und Hazekamp 2013; Fattore und Fratta 2010

Hinzu kommt: Die Wirkung eines Rausches ist immer auch vom Kontext und von der Erwartung abhängig. Fachleute sprechen von „Set und Setting". Wer Cannabis erstmalig anwendet, sollte das in einer entspannten Atmosphäre und in Begleitung einer zuverlässigen Person tun. Ältere Patient:innen und Menschen ohne Vorerfahrung reagieren oft empfindlicher. Quellen: Bonnet 2016; MacCallum und Russo 2018

Was die Wirkstärke beeinflusst

Drei Faktoren prägen die Intensität besonders deutlich: Dosis, Aufnahmeweg und Wirkstoffprofil. Bei Inhalation flutet THC sehr schnell an und erreicht 10- bis 20-fach höhere Blutspiegel als bei oraler Einnahme; entsprechend stärker fallen akute Effekte und Nebenwirkungen aus. Bei oraler Gabe gilt eine Dosis von ≤ 7,5 mg THC pro Tag als nahezu nebenwirkungsfrei. Auch der THC-Gehalt der eingesetzten Sorte ist relevant: Im Straßenhandel ist der durchschnittliche THC-Gehalt von Cannabisblüten in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen, was die akute Wirkstärke verändert. Quellen: Wendelmuth et al. 2019; Gastmeier et al. 2022; Freeman et al. 2019; Murray et al. 2016

Die Cannabistherapie ist stark individualisiert. Es existiert kein einheitliches Dosierungsschema; die richtige Einstellung erfolgt durch die behandelnde Ärzt:in unter Berücksichtigung von Anwendungsart, THC- bzw. CBD-Gehalt und persönlichem Nutzen-Risiko-Verhältnis. Quellen: Romano und Hazekamp 2013; Carter et al. 2004

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Psychische Effekte von THC

THC ist die Substanz in Cannabis, die das psychische Erleben verändert. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt von Dosis, Aufnahmeweg und individueller Verfassung ab. CBD wirkt im Gegensatz dazu nicht berauschend.

Stimmung, Wahrnehmung und Denken

Typisch für einen THC-Rausch sind eine entspannte Euphorie, ein verändertes Zeitgefühl, intensiveres Sinneserleben und eine psychomotorische Verlangsamung. Auch das Kurzzeit- und Arbeitsgedächtnis kann während der Wirkung eingeschränkt sein. In Studien an gesunden Proband:innen führte eine Einzeldosis von 20 mg THC zu verminderter Aufmerksamkeit, verlangsamter Informationsverarbeitung und einer schwächeren Leistung des Arbeitsgedächtnisses. Diese Effekte sind in der Regel reversibel und klingen mit der Wirkung wieder ab. Quellen: Bonnet 2016; Woelfl, Rohleder et al. 2020

Mögliche unerwünschte psychische Wirkungen

THC kann auch belastende Effekte auslösen. Beschrieben sind Angst, Panikattacken, Unruhe, Paranoia und — bei höheren Dosen oder vulnerablen Personen — psychotische Reaktionen. Das Risiko steigt mit der Dosis und ist bei Inhalation hoher THC-Konzentrationen ausgeprägter als bei oraler Einnahme. Bei täglichem Konsum hochpotenter Cannabisprodukte mit über 10 % THC war das Psychose-Risiko in einer europaweiten Studie um das Fünffache erhöht. Personen mit familiärer psychotischer Vorbelastung gelten als besonders gefährdet. Quellen: Di Forti, Quattrone et al. 2019; Hoch, Friemel et al. 2019

Rolle von CBD bei psychischen Effekten

CBD hat selbst keine berauschende Wirkung und zeigte in kontrollierten Studien angstlösende Effekte, etwa bei sozialer Angststörung. Ob CBD die psychotropen Effekte von THC verlässlich abschwächt, ist umstritten: Einige Studien deuten auf eine Abmilderung hin, andere konnten dies nicht bestätigen oder fanden sogar verstärkte Effekte. Die einfache Vorstellung, CBD neutralisiere die unerwünschten Wirkungen von THC, ist nach aktueller Studienlage nicht haltbar. Quellen: Bergamaschi, Queiroz et al. 2011; Solowij, Broyd et al. 2019; Nutt, Phillips et al. 2021

Körperliche Effekte von Cannabis

Cannabis wirkt nicht nur im Kopf. Über das Endocannabinoid-System mit seinen CB1- und CB2-Rezeptoren greift THC in Kreislauf, Muskeltonus, Schmerzverarbeitung und Verdauung ein.

Herz-Kreislauf und Kreislaufreaktionen

Typisch sind eine vorübergehend beschleunigte Herzfrequenz (Tachykardie) und Schwankungen des Blutdrucks. Bei herzgesunden Menschen führen diese in der Regel zu keinen relevanten Komplikationen. Stärker fällt die Reaktion bei inhalativer Anwendung aus, weil THC dann schneller und in höherer Spitzenkonzentration ins Blut übergeht. Gegen die Kreislauf-Effekte entwickelt der Körper häufig schon nach wenigen Tagen eine Toleranz. Bei kardial vorgeschädigten Patient:innen ist Vorsicht geboten; die ärztliche Prüfung ist hier besonders wichtig. Quellen: Thomas, Kloner et al. 2014; Bedi, Cooper et al. 2013; Ohlsson, Lindgren et al. 1980

Muskelentspannung und Schmerzwahrnehmung

Über CB1-Rezeptoren, unter anderem in den Basalganglien, kann THC den Muskeltonus dämpfen. Bei Spastik im Rahmen einer Multiplen Sklerose ist ein THC/CBD-Mundspray als Zusatztherapie zugelassen. Bei der Schmerzverarbeitung zeigen Bildgebungsstudien: Cannabinoide verändern oft weniger die Schmerzintensität, sondern eher den Schmerzaffekt. Der Reiz wird also als weniger unangenehm erlebt. Bei chronischen, vor allem neuropathischen Schmerzen ist eine Wirksamkeit belegt, bei akuten Schmerzen dagegen nicht überzeugend. Quellen: Karst, Wippermann et al. 2010; Whiting, Wolff et al. 2015; Lee, Ploner et al. 2013; De Vita, Moskal et al. 2018; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017; Zajicek, Fox et al. 2003

Appetit, Verdauung und Schlaf

THC stimuliert den Appetit über CB1-Rezeptoren im Hypothalamus und kann Übelkeit und Erbrechen über Rezeptoren in der Area postrema dämpfen. Übersichtsarbeiten weisen außerdem darauf hin, dass Cannabinoide bei Schlafstörungen, etwa im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen oder Fibromyalgie, hilfreich sein können. Die Evidenz ist hier moderat; eine Anwendung erfolgt immer in Absprache mit der behandelnden Ärzt:in. Quellen: Whiting, Wolff et al. 2015; National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine 2017; Pertwee 2010; Huestis 2007

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Inhalation vs. orale Einnahme: Unterschiede in der Wirkung

Wie schnell, wie stark und wie lange Cannabis wirkt, hängt entscheidend davon ab, wie der Wirkstoff in den Körper gelangt. Inhalation und orale Einnahme unterscheiden sich pharmakokinetisch deutlich: in der Frage, wie viel THC oder CBD ins Blut gelangt, wie schnell, und über welche Wege es verstoffwechselt wird.

Rauchen und Verdampfen von Cannabisblüten

Bei der Inhalation flutet THC sehr schnell an: Die Wirkung setzt in der Regel nach etwa 1–2 Minuten ein, die maximalen Plasmaspiegel werden binnen weniger Minuten erreicht. Diese Spitzenspiegel liegen deutlich, teilweise 10- bis 20-fach höher, als nach oraler Aufnahme einer vergleichbaren Dosis. Genau dieser schnelle Wirkeintritt macht die Inhalation in der medizinischen Praxis attraktiv, etwa bei akuten Beschwerden.

Pharmazeutisch ist mit „Inhalation" ausdrücklich nicht das Rauchen eines Joints gemeint, sondern die Anwendung eines Vaporisators (Verdampfers). Beim Verbrennen entstehen Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Ammoniak und Kohlenmonoxid. Beim Verdampfen zwischen 180 und 210 °C werden THC und CBD dagegen in ein gut lungengängiges Aerosol überführt, ohne dass das Pflanzenmaterial verbrennt. Eine Vergleichsstudie zeigte, dass Verdampfen und Rauchen bei gleichem THC-Gehalt zu ähnlichen Plasmaspiegelverläufen führten; beim Verdampfen waren die Spiegel nach 30 und 60 Minuten allerdings höher, was auf eine effizientere Resorption hindeutet. Quellen: Abrams, Vizoso et al. 2007; Russo 2016

Orale Einnahme: Öle, Kapseln, Esswaren

Bei der oralen Aufnahme über Kapseln, ölige Tropfen oder Esswaren verläuft die Wirkkurve flacher und langsamer. Die maximale Plasmakonzentration wird je nach Darreichungsform erst nach 0,8 bis 4 Stunden erreicht, bei fettreicher Mahlzeit kann sich diese Zeit weiter verzögern. Die Wirkdauer reicht von etwa 30 Minuten bis zu 3 Stunden, in Einzelfällen bis zu 12 Stunden.

Innerhalb der oralen Formen gibt es deutliche Unterschiede: Kapseln gelten als die am besten untersuchte und gut standardisierte Form. Ölige Zubereitungen werden lipophiler resorbiert als wässrige Auszüge, zeigen in Tropfenform aber starke interindividuelle Schwankungen. Esswaren wie Brownies oder Cookies haben in Studien eine langsame und stark schwankende Absorption gezeigt, mit Tmax-Werten von 0,9 bis 3 Stunden. Der verzögerte Wirkeintritt birgt das Risiko unbeabsichtigter Überdosierung, wenn weitere Portionen konsumiert werden, bevor die erste Dosis vollständig anflutet. Quellen: Oh, Parikh et al. 2017; Pellesi, Licata et al. 2018; Poyatos, Pérez-Acevedo et al. 2020; Grewal und Loh 2020

Bioverfügbarkeit und First-Pass-Effekt

Der zentrale pharmakokinetische Unterschied liegt im First-Pass-Effekt: Oral aufgenommenes THC wird zunächst über die Leber verstoffwechselt, bevor es den systemischen Kreislauf erreicht. Dabei entstehen aus THC unter anderem der aktive Metabolit 11-OH-THC sowie inaktive Abbauprodukte. Die orale Bioverfügbarkeit liegt deshalb bei nur etwa 4–20 % im Vergleich zur intravenösen Gabe. Bei der Inhalation entfällt dieser Leberdurchgang weitgehend; die Bioverfügbarkeit liegt hier je nach Inhalationstiefe, -frequenz und Atemhaltezeit zwischen etwa 10 und 35 %, in Einzelangaben auch höher.

Hinzu kommen ausgeprägte interindividuelle Schwankungen, beeinflusst durch CYP2C9- und CYP3A4-Genotyp, Resorptionsrate, Stoffwechsel und nicht zuletzt durch eine fettreiche Mahlzeit, die die Gesamtexposition oraler Dosen nahezu verdreifachen kann. Welche Applikationsart geeignet ist, prüft die behandelnde Ärzt:in individuell. Quellen: Huestis 2007; Oh, Parikh et al. 2017; Stout und Cimino 2014; Wong und Baum 2019

Wirkeintritt und Wirkdauer von Cannabis

Wie schnell THC wirkt und wie lange du etwas davon spürst, hängt vor allem vom Aufnahmeweg ab. Die Effektdauer ist außerdem etwas anderes als die Nachweisbarkeit im Körper. Ein wichtiger Unterschied, der oft durcheinandergeht.

Wie schnell wirkt Cannabis?

Bei der Inhalation über einen Vaporisator setzt die Wirkung innerhalb von etwa 1–2 Minuten ein. Die maximale Wirkung wird nach 15–30 Minuten erreicht, wobei das subjektive Wirkmaximum dem Plasmaspitzenspiegel etwas hinterherläuft. Bei der oralen Einnahme über Kapseln oder ölige Auszüge verläuft die Resorption deutlich langsamer: Die maximale Plasmakonzentration wird erst nach etwa 2–6 Stunden erreicht, mit niedrigeren Spitzenwerten als nach Inhalation. Quellen: Grotenhermen 2003; Huestis 2005; Karschner et al. 2011

Wie lange hält die Wirkung an?

Ein akuter Cannabisrausch klingt im Mittel nach etwa 3–5 Stunden wieder ab. In Fahrsimulator- und Realfahrtstudien ließen sich messbare Beeinträchtigungen vor allem in den ersten 2–3 Stunden nach inhalativem Konsum nachweisen. Kognitive Effekte wie Konzentrations- oder Kurzzeitgedächtnisstörungen können in Einzelfällen länger anhalten. Quellen: Bonnet 2016; Karschner et al. 2016

Halbwertszeit und Nachweisbarkeit

THC ist stark fettlöslich und lagert sich im Fettgewebe ein. Bei dauerhafter Anwendung kann die Eliminationshalbwertszeit deshalb mehrere Tage betragen. Im Blut lassen sich bei häufigem Konsum auch nach Abstinenz noch Tage später niedrige THC-Konzentrationen messen, ohne dass eine akute Wirkung vorliegt. Im Haar ist THC bis zu drei Monate nachweisbar. Nachweisbar heißt also nicht wirksam. Quellen: Huestis 2007; Skopp und Pötsch 2008; Karschner et al. 2016

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Nebenwirkungen und Risiken im Blick

Cannabisarzneimittel gelten bei sachgemäßer Anwendung als vergleichsweise gut verträglich. Trotzdem treten Nebenwirkungen häufig auf. Wie stark sie ausfallen, hängt von Dosis, Darreichungsform und persönlichen Faktoren ab.

Häufige kurzfristige Nebenwirkungen

Am häufigsten dokumentiert sind Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Schläfrigkeit, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie Appetitsteigerung. In der deutschen Begleiterhebung lagen Müdigkeit (rund 15 %) und Schwindel (rund 10 %) an der Spitze. Inhalation kann diese Effekte stärker auslösen als die orale Einnahme. Selten, aber relevant: psychische Effekte wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen, auch bei niedrigen Dosen. Quellen: Cremer-Schaeffer 2019; Ware et al. 2015

Langfristige Risiken und Toleranz

Beim medizinischen Einsatz ist eine Toleranzentwicklung meist schwach ausgeprägt; Langzeitstudien zeigen häufig stabile Dosierungen ohne Wirkverlust. Das Suchtpotenzial oraler Cannabisarzneimittel gilt als sehr gering. Anders sieht es beim hochdosierten Freizeitkonsum aus: Dort entwickeln laut Studien rund 27 % der regelmäßig Konsumierenden eine Cannabiskonsumstörung, besonders bei frühem Einstieg. Quellen: Schimrigk et al. 2017; Feingold et al. 2020

Wann ärztlicher Rat wichtig ist

Vorsicht ist geboten bei Schwangerschaft und Stillzeit, Psychosen oder familiärer Vorbelastung, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, schweren Leberfunktionsstörungen sowie bei jungen Menschen ohne abgeschlossene Hirnreifung. Auch Wechselwirkungen mit sedierenden oder kreislaufaktiven Medikamenten sind möglich. Ob Cannabis für dich infrage kommt, prüft die behandelnde Ärzt:in individuell. Quellen: Hoch et al. 2019; BfArM Begleiterhebung 2022

Quellen (62)

FAQ

Häufige Fragen zur Cannabis-Wirkung

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Medizinischer Haftungsausschluss

Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die zitierten Studien beschreiben den aktuellen Stand der Forschung, nicht das individuelle Ansprechen einer bestimmten Patient:in. Eine cannabisbasierte Therapie kommt nur nach individueller ärztlicher Prüfung und Verordnung in Betracht. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden wende dich an deine Ärzt:in oder Apotheker:in.